Wissenswertes über Zecken
So schützen Sie sich vor den wirklich zähen Blutsaugern

Neueste Forschungen zeigen: es gibt keine Zeckensaison mehr. Aufgrund der Erderwärmung sind Zecken mittlerweile in vielen Regionen das ganze Jahr über aktiv, vor allem aber von März bis November. Zeckenbisse sind zwar nicht zwangsläufig gefährlich, doch die Tiere sind Überträger der so genannten (Lyme)Borreliose oder der FSME, einer durch Viren ausgelösten Hirnhautentzündung. Das Allgäu zählt zu den Risikogebieten für diese schwerwiegende Erkrankung.
Zecken sind Spinnentiere. Sie sitzen im hohen Gras, im Garten, Unterholz, Gebüsch oder Laub. Streift ein Spaziergänger, Wanderer, Jogger, ein spielendes Kind oder ein Tier ihren Sitzplatz, lassen sie sich auf diesen neuen Wirt fallen. Dort suchen sie nach einer geeigneten Einstichstelle, was oft Stunden dauern kann. Bevorzugt machen sie es sich in Hautfalten bequem, beispielsweise unter den Achseln, in den Leisten, Gesäßspalten und Kniekehlen, hinter dem Ohr, zwischen den Zehen oder im Hals- und Nackenbereich. Zecken können aber auch einfach auf einem Bein, Arm oder dem Körper sitzen. Dort verankern sie sich und saugen sich mit Blut voll. Da der Speichel der Tiere ein Schmerzmittel enthält, ist der Stich schmerzlos, juckt nicht und bleibt somit oft unbemerkt.
Zeckenentfernung
Dr.med. Andreas Baumgarten, Chefarzt beim BRK Oberallgäu, rät: „Je früher Sie eine Zecke entfernen, umso besser. Wichtig ist, die Zecke nicht zu quetschen. Auch Hausmittel wie Öl, Alkohol oder Klebstoff dürfen nicht verwendet werden - sie lassen das Tier erbrechen. Dabei werden Krankheitserreger in die Wunde übertragen. Fassen Sie die Zecke mit einer Zeckenpinzette oder Zeckenkarte, die es in der Apotheke gibt, möglichst weit vorne am Kopf an. Ziehen Sie sie langsam, eventuell mit einer Drehbewegung heraus und desinfizieren Sie die Bissstelle. Konnte die Zecke nicht oder nicht ganz entfernt werden, gehen Sie zum Arzt.“
(Lyme-)Borreliose erkennen
Borreliose ist in ganz Deutschland verbreitet und kann unterschiedliche Auswirkungen haben. „Bis sich die ersten Krankheitszeichen zeigen, vergehen mindestens einige Tage bis mehrere Wochen. „Ein Anzeichen für eine mögliche Borrelien-Infektion ist auch die sogenannte Wanderröte - eine kreisrunde, scharf abgegrenzte Rötung mit hellem Hof rund um den Einstich, die mehrere Tage bis mehrere Wochen nach der Ansteckung auftreten kann. Da sie manchmal unauffällig ausfällt und nicht juckt, kann sie leicht übersehen werden. Daher sollten Sie die Einstichstelle über einen längeren Zeitraum gut beobachten“, rät der Experte. „Bei Auftreten der Wanderröte sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Es gibt aber auch viele Fälle von Borreliose ganz ohne Wanderröte.“
Ein anderes, selteneres Anzeichen der Borreliose ist ein einzelnes, schmerzloses, weiches blaurotes Knötchen in der Haut, das an jeder Körperstelle auftreten kann.
„In seltenen Fällen kommt es zu schweren Krankheitsverläufen der Lyme-Borreliose, die die Gelenke oder das Herz betreffen. Bei jedem zehnten Betroffenen befallen die Viren das Nervensystem. Anzeichen sind brennende und stechende Schmerzen, die vor allem nachts auftreten. Auch können Taubheitsgefühle, Seh- und Hörstörungen oder Lähmungen, vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und Beine auftreten.“
Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Sie ist aber bei frühzeitiger Diagnose in aller Regel gut mit Antibiotika behandelbar. Wird die Borreliose nicht mit Antibiotika behandelt, können die Erreger im Körper überdauern und nach Monaten bis Jahren späte Symptome verursachen, deren Ursache dann schwer zuzuordnen ist. Ob ein Mensch Borrelien im Körper trägt, kann der Arzt mit einer Blutuntersuchung feststellen.
FSME erkennen
„Im ungünstigsten Fall kann es durch den Zeckenstich zu einer FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis/Frühsommer-Gehirnhautentzündung) kommen. Die ersten grippeähnlichen Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen treten meist erst fünf bis zehn Tage nach der Infektion auf. Unbehandelt kann eine solche Hirnhautentzündung bis zum Tod führen“, sagt Dr. Baumgarten und betont: „Gegen FSME kann man sich schützen. Hier wird eine vorbeugende 3-fach Impfung empfohlen, die ab dem 1. Lebensjahr möglich ist.“
So beugen Sie Zeckenstichen vor
„Solange man bei Aufenthalten in der Natur auf Wegen bleibt und nicht mit Gräsern, Sträuchern, Bäumen usw. in Berührung kommt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Zeckenstiches gering. Ansonsten sollte man beim Spazierengehen, Wandern oder beim Sport gut schließende Kleidung und eine Kopfbedeckung tragen. Wer eine lange Hose trägt und die Hosenbeine in die Socken steckt, sieht zwar vielleicht nicht gerade topmodisch aus, ist aber gut geschützt“, sagt Dr. Baumgarten. „Bei der Gartenarbeit bieten sich Gummihandschuhe und Gummistiefel an. Auf heller Kleidung sieht man die Tierchen, die mitunter kleiner als ein gemahlenes Pfefferkorn sind, besser. Zecken, die auf der Kleidung krabbeln, können Sie leicht mit einem Klebebandstreifen entfernen. Antizeckensprays oder -Lotionen auf Haut und/oder Kleidung bringen einen gewissen abwehrenden Effekt, sind aber keine Garantie gegen Zeckenstiche und ersetzen auch nicht die gründliche Kontrolle, die nach dem Aufenthalt im Freien erfolgen sollte.“
Wohin mit der Zecke?
„Zecken sollten so getötet werden, dass der Mensch nicht mit den Körperflüssigkeiten des Tieres in Kontakt kommt. Andernfalls können Krankheitserreger in den menschlichen Organismus gelangen – zum Beispiel durch eine kleine Wunde. Am wirkungsvollsten ist es, die Zecke mit einem festen Gegenstand zu zerdrücken. Dazu sollten die Zecke in einem zusammengefalteten Papier eingeklappt werden. Auch 40-prozentiger Alkohol, Chlorreiniger und Sagrotan machen den Blutsaugern den Garaus.“
Spannende Fakten über Zecken:
- Zecken gibt es seit rund 350 Millionen Jahren
- Zecken können bis zu drei Wochen unter Wasser überleben.
- Abhängig von der Luftfeuchtigkeit können Zecken im Haus bis zu zehn Tage überleben und später zu einem Stich führen.
- Zecken auf der Kleidung überleben einen Waschgang bei 40 Grad.
- Im Wäschetrockner sterben Zecken bei Temperaturen von mindestens 60 Grad. Besser sind 70 Grad.
- Zecken können 24 Stunden bei bis zu -12 °C in einem Gefrierfach überleben. Wer sich für diese Methode entscheidet, sollte die Tiere mindestens 24 Stunden bei –20 °C einfrieren.
- Im Labor konnten Zecken, die Blut gesaugt hatten, bis zu zehn Jahre lang ohne weitere Nahrung auskommen. In freier Natur überlebt der Gemeine Holzbock drei bis fünf Jahre ohne Blutmahlzeit.
- Zecken sind auch im Winter ab ca. 7 °C aktiv.
- Dass Zecken von Bäumen auf Menschen „springen“ ist ein Ammenmärchen.
- Eine in Deutschland neu aufgetauchte Zeckenart ist die Hyalomma-Zecke, die eigentlich in Südeuropa, Asien und Afrika heimisch ist. Diese so genannte "Super-Zecke" kann fünfmal so groß werden wie der 2,5 mm bis 4,5 mm große Gemeine Holzbock und kann schwerwiegende Krankheiten übertragen.